Zum Inhalt springen
·

Habeck und Wissing gründen eine Partei? Klingt gut, bis man ans Programm denkt

Karikatur: Ein Läufer im Parteitrikot stolpert über eine Hürde mit der Aufschrift „5 %“, hinter ihm drängen weitere Läufer, im Hintergrund stehen vier volle Parteizelte. KI-generiert.

Manche politischen Gerüchte hält man für Unsinn und hat sie am nächsten Tag vergessen. Bei anderen denkt man auch erst „Unsinn“ und fünf Minuten später: Moment mal.

In Berlin kursiert gerade so eines. Robert Habeck und Volker Wissing sollen über eine gemeinsame neue Partei nachdenken.

Öffentlich gemacht haben die Spekulation unter anderem Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander in ihrem Podcast „Machtwechsel“. Die Folge vom 25. September heißt sogar „Gründet Habeck eine eigene Partei?“. Dass die beiden schon an einer Satzung schreiben oder über Logos streiten, dafür gibt es bisher keinen Beleg.

Aus dem Nichts kommt die Idee trotzdem nicht.

Die beiden passen besser zusammen, als man denkt

Habeck hat Ende Mai ziemlich deutlich gesagt, Deutschland brauche eine liberale Kraft. Die FDP unter Wolfgang Kubicki werde diese Rolle aber nicht ausfüllen. Über Wissing, seinen früheren Kabinettskollegen, sprach er dagegen ausgesprochen freundlich: „Mehr vom Schlage Volker können wir gut gebrauchen.“

Wissing ist seit November 2024 parteilos. Er trat aus der FDP aus, weil er nach dem Bruch der Ampel im Kabinett bleiben wollte, anders als die übrigen FDP-Minister.

Ende März fragte ihn der F.A.Z.-Podcast für Deutschland, ob eine neue liberale Partei denkbar sei. Wissing winkte nicht einfach ab. Er selbst arbeite an keiner Parteigründung, sagte er, aber Unternehmer und andere dächten darüber nach, wie man eine liberale Kraft neu etablieren könne.

Wer aus Habeck und Wissing eine Partei bauen will, muss also ein paar Puzzleteile zusammensetzen. Immerhin liegen die Teile auf dem Tisch.

Die Idee hat ihren Reiz

Man stelle sich eine Partei zwischen Grünen, SPD, Union und FDP vor: gesellschaftlich liberal, wirtschaftlich pragmatisch, ökologisch ohne Weltuntergangston und marktwirtschaftlich, ohne den Staat für einen bedauerlichen Betriebsunfall zu halten. Wähler gäbe es dafür wohl.

Habeck könnte die ansprechen, denen die Grünen zu eng oder zu links geworden sind. Wissing könnte frühere FDP-Wähler erreichen, für die Liberalismus mehr bedeutet als Steuersenkungen und schlechte Laune gegenüber dem Staat.

Beide haben regiert und kennen die Mechanik einer Koalition. Beide wissen außerdem aus eigener Erfahrung, wie man ein Bündnis aus Grünen und Liberalen an seine Belastungsgrenze bringt. Bei einer Parteigründung könnte ausgerechnet das helfen.

Bleibt die Frage nach dem Programm

„Wir sind vernünftig, pragmatisch und irgendwie liberal“ taugt als Gesprächseinstieg. Ein Parteiprogramm ist es noch lange nicht.

Spätestens bei Schuldenbremse, Steuern und Staatsquote müsste die neue Romanze Farbe bekennen. Danach warten Verbrenner, Heizungsgesetz, Sozialstaat, Migration, Bürokratieabbau und Kernenergie. Bei jedem dieser Themen stünde man schnell wieder vor dem alten Problem der Ampel: Grüne und Liberale benutzen gern dieselben Wörter und meinen damit etwas völlig anderes.

Habeck kommt aus einer Partei, die ökologische und gesellschaftliche Ziele im Zweifel per Regulierung erreichen will. Der klassische Liberalismus fragt zuerst, ob der Staat das überhaupt entscheiden muss. Genau darüber haben Grüne und FDP drei Jahre lang in der Bundesregierung gestritten.

In einer Koalition kann man so einen Streit moderieren. Eine Partei Habeck/Wissing müsste ihn in den eigenen Reihen austragen, auf jedem Parteitag aufs Neue.

Und dann ist da noch die Fünf-Prozent-Hürde

An Parteien herrscht in Deutschland kein Mangel. Eine Neugründung braucht Landesverbände, Kandidaten, Mitglieder, Geld und Kommunalpolitiker. Sie braucht auch Leute, die samstags um sieben im Regen einen Infostand aufbauen. Mit Podcasts, Talkshows und zwei prominenten Gründern kommt man nicht weit.

Die politische Mitte ist groß, aber dicht besiedelt. CDU und SPD beanspruchen sie ohnehin, die Grünen wollen hinein, die FDP will zurück. Eine neue Partei müsste genug Menschen dazu bringen, ihre bisherige politische Heimat zu verlassen. Das ist mühsamer, als in Berlin einen anregenden Salon zu veranstalten.

Für Liberale ist die Lage ohnehin schwierig. Im ARD-DeutschlandTrend von Anfang September 2026 kam die FDP auf vier Prozent. Man kann darin das Ende des Liberalismus sehen. Oder den Auftrag, ihn wieder besser zu erklären.

Für die FDP ist das Gerücht unbequemer, als ihr lieb sein kann

Wenn ausgerechnet Robert Habeck sagt, Deutschland brauche eine liberale Kraft, sollte ein Liberaler aufhorchen. Da fehlt offenbar etwas. Ob man dafür gleich eine weitere Partei gründen muss, steht auf einem anderen Blatt.

Die FDP hat, was Habeck und Wissing erst mühsam aufbauen müssten: eine über Jahrzehnte gewachsene Organisation, Mitglieder und Mandatsträger vor Ort, dazu eine politische Tradition. Seit Ende Mai führt Wolfgang Kubicki die Partei. Henning Höne, Svenja Hahn und Linda Teuteberg sind seine Stellvertreter, Martin Hagen ist Generalsekretär.

Garantiert ist damit nichts. Die FDP muss selbst sagen, wofür Liberalismus 2026 steht. Für weniger Staat oder für einen besseren? Für wirtschaftliche Freiheit, für gesellschaftliche, für Aufstieg durch Bildung, für Technologieoffenheit, für Eigenverantwortung? Am besten für mehr als eine dieser Antworten.

Vielleicht fehlt gar keine Partei

Vielleicht fehlt eine liberale Politik, die überzeugt. Sie würde den Menschen etwas zutrauen und Wohlstand erst erwirtschaften, bevor sie ihn verteilt. Klimaschutz hieße für sie nicht Detailsteuerung, und Digitalisierung wäre mehr als ein analoges Formular, das man hinterher als PDF herunterladen kann.

Sie würde einen leistungsfähigen Staat wollen, der seine Leistung aber nicht daran misst, wie viele Lebensbereiche er regelt. Und sie würde die Freiheit auch dann verteidigen, wenn es gerade nicht ins eigene Programm passt.

Ob Habeck und Wissing wirklich eine Partei gründen wollen, wissen vermutlich nur die beiden. Vielleicht wissen sie es selbst noch nicht.

Interessant ist das Gerücht trotzdem, weil die Debatte über eine Partei, die es noch gar nicht gibt, ziemlich viel über eine Partei verrät, die es seit 1948 gibt. Dort sollte die eigentliche Diskussion anfangen.


Offen gesagt: Diesen Beitrag hat eine künstliche Intelligenz geschrieben, das Sprachmodell Claude von Anthropic. Thema und Richtung habe ich vorgegeben, die Veröffentlichung verantworte ich. Die Tatsachen im Text wurden vor der Veröffentlichung an öffentlichen Quellen geprüft, unter anderem beim Tagesspiegel (Habeck zur FDP), bei der FDP (Präsidium) und bei infratest dimap (DeutschlandTrend September 2026). Auch das Titelbild ist mit KI erzeugt.